Zwei Päpste - aber nur ein Weltmeister

Alexander Brüggemann (KNA)
Bonn/Vatikanstadt (KNA) "Gucken zwei Päpste zusammen Fußball..." Bis März 2013 maximal ein schaler Witz. Doch seitdem ist vieles möglich geworden im Vatikan und so gibt es am Sonntag eine einmalige historische Konstellation: Zwei Päpste aus den Nationen des WM-Finales. Benedikt XVI., der deutsche Verteidiger, gegen Papst Franz, den Stürmer aus Argentinien.

Doch den traumhaften Showdown im Vatikankino wird es wohl nicht geben: Laut Vatikansprecher Federico Lombardi wird Benedikt das Spiel voraussichtlich nicht einschalten und über Franziskus werde man erst nach dem Abpfiff informieren.
Dabei ging das Thema, seit Argentinien in der Nacht nach müdem Kick sein Finalticket zog, auch in den sozialen Netzwerken durch die Decke: Fotomontagen zeigen die beiden Päpste im gemeinsa-men Gebet, aber mit den Gedanken an ihre Nationalfarben; Bundeskanzlerin Angela Merkel und Franziskus feixen über die Höhe des Ergebnisses. Ein weiterer Tweet hat Franziskus mit den obliga-torischen gekreuzten Armen in Argentiniens Mannschaftsaufstellung montiert. Eine besonders hüb-sche Karikatur aus dem Jesuitenorden: "B16" und "F1" vor dem Fernseher. B: "Du wirkst nervös." F: "Ich bete nur." B: "Jetzt werde ich nervös!"
Oft wird reklamiert, zwischen Franziskus und seinen Vorgänger gehe inhaltlich "kein Blatt". Dabei wird niemand bezweifeln, dass der Stil zu regieren und der Stil zu verkündigen durchaus gewisse Unterschiede aufweisen. So ist auch der Zugang Joseph Ratzingers und Jorge Mario Bergoglios zum Fußball sehr verschieden geraten. Bei Ratzinger: reine Kopfsache oder, mit einem Psalmwort (147,10) gesprochen: "Er hat keine Freude an der Kraft des Pferdes, kein Gefallen am schnellen Lauf des Mannes."
In einer frühen Reflexion über die Fußball-WM 1978 spricht er von einem "Tun, das ganz frei ist, oh-ne Zweck und ohne Nötigung, und das dabei doch alle Kräfte des Menschen anspannt". Im Heraus-treten aus dem versklavenden Ernst des Alltags handele es sich um eine "versuchte Heimkehr ins Paradies", in den "freien Ernst dessen, was nicht sein muss und gerade darum schön ist".
Der Fußball, so der emeritierte Papst, nötige den Menschen, zunächst sich selbst in Zucht zu neh-men, "so dass er durch Training die Verfügung über sich gewinnt, durch Verfügung Überlegenheit und durch Überlegenheit Freiheit". Diese sei dann im Mannschaftsspiel Fußball einzubinden "in das disziplinierte Miteinander, vereint im gemeinsamen Ziel". Es dürfte statthaft sein, das mit Sepp Her-berger so zu übersetzen: "Elf Freunde müsst ihr sein!"
Papst Franziskus geht die ontologische Problematik, wie das Runde ins Eckige gelangen kann, an-ders an. Eher als ein Talentscout, der für seine Mannschaft Straßenkicker sucht: Abräumer, Teamplayer, falsche Neuner. Die Begeisterung dafür liegt tief in seiner Biografie verwurzelt. Der klei-ne Jorge Bergoglio hat das Kicken noch vor der Theologie gelernt: an der Membrillar Nummer 531, seinem Geburtshaus.
Der Straßenzug in Flores im Herzen von Buenos Aires ist heute die erste Station der sogenannten päpstlichen Stadtführung. Der Musiker Mario Valdez, der 1948 gemeinsam mit Bergoglio die fünfte Klasse besuchte, erzählt: "Rechts, an der Ecke, wo heute ein kleiner Spielplatz ist, da hat der Papst als kleiner Junge jeden Nachmittag gekickt. Literatur und Fußball, das waren seine Leidenschaften in der Reihenfolge."
Dabei behauptet ein weiterer Schulfreund, Nestor Carabajo, der später mit Bergoglio eine Ausbildung zum Chemietechniker machte, der kleine Jorge sei nie ein begnadeter Techniker gewesen, aber da-für schon damals ein Taktiker vor dem Herrn. Oft sei es Bergoglio gewesen, der die Mannschaften aufstellte und die Taktik bestimmte. "Jorge war ein Anführer, immer bescheiden und bestimmt, wie ihn die Welt heute erlebt." Bis heute ist Bergoglio, Jahrgang 1936, Anhänger und Mitglied des Stadtclubs San Lorenzo. "Mitglied 88235" zahlt per Einzugsermächtigung seine Beiträge, wie Clubvi-ze Marcelo Tinelli versichert.
Deutschland wie Argentinien haben bei Fußball-Weltmeisterschaften schon über zwei Jahrzehnte nicht mehr ganz oben gestanden. Doch auch für den Moment des größtes Triumphes gibt es womög-lich eine Parallele zu dem deutschen und dem argentinischen Pontifikat: die Art der Bilder im Kopf. Argentinien, das ist die "Hand Gottes"; das sind die Sololäufe von Maradona und Messi. Und Deutschland? Ein Foulelfmeter von Andy Brehme und ein Kullertor von Oliver Bierhoff. In Brasilien freilich haben bislang nur die Deutschen eine himmlische Performance hingelegt. Bitte noch einmal es muss ja kein 7:1 sein.

Weitere Artikel

Papst Franziskus trifft Missbrauchsopfer - "Schweigen hat Leid vergrößert"

Vatikanstadt/Dublin (KNA) Erstmals in seiner Amtszeit hat sich Papst Franziskus am Montag mit Opfern sexuellen Missbrauchs getroffen, darunter auch zwei Deutsche. Die Einzelgespräche mit den drei Männern und drei Frauen hätten etwa drei Stunden gedauert, jeweils rund 30 Minuten, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi im Anschluss. Die Opfer waren in der Vergangenheit von Priestern sexuell missbraucht worden.

Wer gegen wen und warum?

Wir erklären die Hintergründe für den jahrhundertealten Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten...

Reform der Kurie und der Vatikanbank IOR

Kardinalsrat berät mit Papst über Kurienreform

Vatikanstadt (KNA) Der Kardinalsrat für die Kurienreform (K8) ist am Dienstag zu seiner fünften Sitzungsrunde mit Papst Franziskus im Vatikan zusammengetroffen. Das zumeist aus Erzbischöfen großer Diözesen der Weltkirche bestehende Gremium berät bis Freitag über neue Strukturen und Aufgabenverteilungen im vatikanischen Verwaltungsapparat. In den kommenden Tagen steht dem Vernehmen nach die Aufgabe der Päpstlichen Räte, der sogenannten Kleinen Ministerien, im Mittel- punkt. Dem Gremium gehört auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx an.

Sexualkunde auf katholisch

Die Diskussion um den Sexualkundeunterricht an Schulen erhitzt die Gemüter auf allen Seiten. Und die Meinungen liegen weit auseinander. Während Schüler der gymnasialen Unterstufe in Berlin die Bedeutung von Darkrooms kennenlernen und in Rollenspielen ein Coming-Out üben, ringen in BaWü Befürworter und Gegner um einen Bildungsplan, der das Thema 'sexuelle Vielfalt' für den Unterricht vorsieht...

KONTAKT

Katholisches Pfarramt
St. Michael Mering

Herzog-Wilhelm-Straße 5
86415 Mering

Telefon +49 (0)8233-74250
pfarramt@mitten-in-mering.de

Öffnungszeiten:
Montag: 9 - 12 Uhr
Dienstag: 9 - 12 Uhr und 14 - 16 Uhr
Donnerstag: 9 - 12 Uhr und 14 - 18 Uhr
Freitag: 9 - 12 Uhr

SPENDENKONTEN

St. Michael Mering:
Raiba Kissing-Mering
IBAN DE08 7206 9155 0000 1264 11
BIC GENODEF1MRI

St. Johannes Meringerzell:
Raiba Kissing-Mering
IBAN DE35 7206 9155 0000 1076 89
BIC GENODEF1MRI

Mariä-Himmelfahrt St.Afra:
Stadtsparkasse Augsburg
IBAN DE64 7205 0000 0000 3602 63
BIC AUGSDE77XXX