Papst Franziskus trifft Missbrauchsopfer - "Schweigen hat Leid vergrößert"

Vatikanstadt/Dublin (KNA) Erstmals in seiner Amtszeit hat sich Papst Franziskus am Montag mit Opfern sexuellen Missbrauchs getroffen, darunter auch zwei Deutsche. Die Einzelgespräche mit den drei Männern und drei Frauen hätten etwa drei Stunden gedauert, jeweils rund 30 Minuten, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi im Anschluss. Die Opfer waren in der Vergangenheit von Priestern sexuell missbraucht worden.

Lombardi sprach von einer intensiven und bewegenden Zusammenkunft im Zeichen der Versöhnung. Der Papst habe vor allem zuhören wollen, um den Betroffenen behutsam Wege der Aussöhnung mit Gott und der Kirche zu eröffnen. Je zwei der Opfer stammten aus Deutschland, aus Irland und aus Großbritannien. Der Papst hatte sie bereits am Vorabend in seiner Residenz, dem vatikanischen Gästehaus Santa Marta, begrüßt, wo sie zu Abend aßen. Am Morgen nahmen sie an seiner täglichen Frühmesse teil.
In seiner Predigt bat Franziskus im Namen der Kirche um Vergebung für die Verbrechen. Das Leid der Opfer laste schwer auf dem Gewissen der ganzen Kirche, sagte er im Beisein der Betroffenen. Franziskus erinnerte vor allem an jene Opfer, die sich nach dem Missbrauch aus Verzweiflung das Leben genommen hätten. "Ich bitte auch dafür um Vergebung, dass Kirchenverantwortliche es unter-lassen haben, angemessen auf Berichte über Missbrauch zu reagieren", sagte der Papst. Dieses Verhalten habe zu noch mehr Leid geführt und das Risiko für andere Minderjährige vergrößert.
Die abscheulichen Taten von Klerikern hätten bei den Missbrauchten schwerste Narben hinterlassen, Familien belastet und bei den Opfern nicht selten zur Flucht in die Sucht oder gar zu Selbsttötungen geführt, fügte Franziskus hinzu. "Wir müssen alles in unserer Macht tun, um zu garantieren, dass diese Sünde in der Kirche keinen Platz hat." Dafür müsse die Ausbildung von Klerikern genau überwacht und der Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Kirche weiter verbessert werden.
Er zähle dabei auf die Empfehlungen der von ihm eingerichteten Kinderschutzkommission, die am Sonntag und Montag im Vatikan tagte, versicherte Franziskus. Alle Bischöfe müssten "mit größter Sorgfalt" den Schutz von Minderjährigen fördern; sie würden "dafür zur Verantwortung gezogen". Ausdrücklich dankte Franziskus den Missbrauchsopfern für ihre Reise in den Vatikan. Wörtlich sagte er: "Ihre Anwesenheit spricht vom Wunder der Hoffnung, die die tiefste Dunkelheit überdauert."
Eine irische Teilnehmerin lobte Franziskus im Anschluss als aufmerksamen Zuhörer. Ihre Begeg-nung mit dem Papst sei "großartig" gewesen, sagte Marie Kane (43) irischen Medien. Es habe keine zeitliche Begrenzung gegeben. Weniger freundliche Worte fand sie für den irischen Klerus. Sie glaube nicht, dass sich etwas ändern werde, solange Bischöfe wie Kardinal Sean Brady im Amt seien, die "an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt" gewesen seien. Der irische Primas steht für seine Rolle in einer Missbrauchsuntersuchung von 1975 in der Kritik, bei der er zwei Jungen zum Stillschweigen angehalten haben soll. Kane war in ihrer Heimatstadt Bray südlich von Dublin drei Jahre lang bis zu ihrem 18. Geburtstag von einem Priester sexuell missbraucht worden. Die Auswir-kungen des Erlebten belasteten sie noch immer, sagte sie.

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