Schattenmann bringt Licht in Stationsalltag

Alt, krank und in einem Pflegeheim - was das bedeutet, können Nichtbetroffene kaum erahnen. Selbst Pflegekräfte wissen oft nicht, wie es ihren Schützlingen geht. Deshalb hat der Kölner Theologe und Heimleiter Wolfgang Dyck das "Schattenmann"-Projekt ins Leben gerufen: Es bietet die Möglichkeit, dass Altenpflegerinnen und -pfleger einmal in die Rolle eines zu pflegenden Menschen schlüpfen - und zwar einen ganzen Tag lang...

Dyck, der an der Pflege-Charta über die Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen mitgearbeitet hat, führt in Köln und im benachbarten Frechen Altenhilfeeinrichtungen. Zunächst wollte er jungen Menschen, die mit dem Pflegeberuf liebäugeln, die Patientenperspektive vermitteln. Dann ermunterte er aber auch Frauen und Männer, die schon viele Jahre in dem Metier tätig sind, zu dem Versuch. Mit bemerkenswerten Ergebnissen.

"Ich bin ganz überrascht gewesen, einmal in der Situation zu sein, das Essen angereicht zu bekommen", erläutert Altenpfleger Siegfried. "Da spürt man, welchen Erfahrungen man die gepflegten Menschen aussetzt." Einem anderen Mitarbeiter fielen besonders die Geräusche in der Nacht auf, als er allein in einem Bewohnerbett lag.

Pfleger werden sensibler für Missstände

Der Zivildienstleistende Nils ergänzt: "Man sieht, wenn etwas nicht passt. So wurde mir klar, dass der Spiegel im Bad zu hoch ist, wenn man selbst davor sitzt." Und im Rollstuhl werde man "meist viel zu schnell geschoben, was ziemlich unangenehm ist".

Wie bedeutend Gestik und Mimik im Austausch zwischen Bewohnern und Pflegenden sind, hat Altenpflegerin Sabine erfahren: "Man nimmt den Gesichtsausdruck der Mitarbeiter anders wahr: Warum schauen die Schwestern und Pfleger so ernst? Weshalb sind sie so überfreundlich?" Die Rolle der nonverbalen Kommunikation werde im Alltag meist unterschätzt, so die Pflegefachkraft.

Korrekturen in betrieblichen Abläufen

Überhaupt nehmen die "Schattenfrauen" und "Schattenmänner" viele Dinge wahr, die die Atmosphäre einer Station betreffen. So berichtet eine Mitarbeiterin, wie sehr ihr der "Taktwechsel" zur Mittagessenszeit missfiel. Plötzlich habe es eine abrupte Änderung von Stille zur Lautstärke, von Gemütlichkeit zu Aktionismus gegeben.

Solche Erfahrungen führen dann mitunter zu Korrekturen in den betrieblichen Abläufen auf einer Pflegestation. Vor allem aber ändere sich die pflegerische Grundhaltung, berichtet Dyck, der für sein Projekt den Zukunftspreis Altenheim 2011 verliehen bekommen hat.

Derzeit beschäftigt er sich mit dem Problem der Langeweile von Altenheimbewohnern. Langeweile nähmen die Beschäftigten oft viel unangenehmer wahr als die alten Menschen selbst. Zumindest habe das "Schattenmann"-Projekt ergeben, dass Beschäftigungsangebote nicht ungeteiltes Interesse finden und die Senioren stets die Wahl haben müssen. Auch in diesem Punkt haben nach den Worten des Experten die "Schattenmänner und Schattenfrauen mehr Licht" in den Pflegealltag gebracht.

Von Christoph Müller (KNA)
© KNA

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