„Oh mein Gott, das klingt ja tatsächlich gut!“

Es ist das typische Szenario einer kirchlichen Trauung, festgehalten im Amateurvideo: Zwischen den Säulen einer neogotischen Kirche beenden gerade vier Frauen ihren Gesang für das Brautpaar. Ein Schwenk zeigt, wie der Pfarrer sich erhebt und zum Altar schreitet...

Ein Mann mittleren Alters, Brille, brünettes Haar im cremefarbenen Priestergewand. Bis hierhin "Business as usual". Und doch hatte das Hochzeits-Video bei Youtube am Donnerstag über drei Millionen Aufrufe!

Der irische Priester Ray Kelly beginnt zu singen und plötzlich halten alle den Atem an: Seine Version des Musiktitels "Hallelujah" von Leonard Cohen ist definitiv reif für den Music-Award. Das erste Mal hat Pfarrer Kelly das Lied, das ihn jetzt zum Youtube-Star machte, 2008 bei einer Hochzeit in Nordirland gehört, wie er im Interview mit katholisch.de erzählt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er den Cohen-Song nicht wirklich auf dem Schirm.

Doch auf den britischen Inseln war das Lied, Dank der Finalistin des englischen Song-Wettbewerbs "X-Factor", Alexandra Burke, zu dieser Zeit in aller Munde. Das habe damals wohl auch die Hochzeitsgesellschaft dazu bewogen, den Originaltext von "Hallelujah" für das Brautpaar ein wenig umzuschreiben, so der Pfarrer.

"Als ich diese besondere Melodie zusammen mit dem neuen, einmaligen Text zum ersten Mal hörte, war ich völlig beindruckt von der behutsamen Emotion und dem 'Major Lift' (dem großen Erhebenden) des Liedes", sagt Kelly rückschauend. Die Töne schienen zugleich sanft und kraftvoll den Kirchenraum zu erobern - auf eine bewegende Art. Unmittelbar nach der Trauung fragte er deshalb nach der Kopie des Textes und machte sich auf die Suche nach einer Instrumentalversion, die zu seiner Stimmlage passte.

Schon immer habe er das Singen geliebt, sagt Kelly. Als Ire liege ihm die Musik in den Genen und sei von klein auf wichtiger Teil seiner Familiengeschichte gewesen. In Dublin nahm er außerdem Stimmtraining und war vor vielen Jahren Teil der "Priest Show", einer Gruppe von singenden Priestern in Dublin. Auch seiner Gemeinde ist sein Talent bekannt. Die Leute wissen: Wenn ihn die Stimmung packt, singt er bei Beerdigungen in Sonntagsmessen oder eben sein besonderes "Hallelujah" bei Hochzeiten.

"In dem Moment, wenn die Braut in die Kirche tritt und der Bräutigam sie zum ersten Mal in ihrem Hochzeitskleid sieht, sind beide so unglaublich angespannt. Ich möchte dem Brautpaar in meinen Zeremonien helfen, sich zu entspannen und dieses Lied hilft hier ungemein", erklärt Kelly seine Intention. Nichts anderes tat er vor wenigen Tagen für das Youtube-Paar Chris und Leah O'Kane.

"Die beiden kommen nicht aus der Gegend und hatten somit nicht die leiseste Ahnung, was sie erwarten würde", sagt der Priester. Als die Trauungszeremonie bereits vorüber war, habe er "kurz vor dem Schlusssegen losgelegt" - und verschaffte ihnen den wohl unvergesslichsten Moment ihres großen Tages. Nach seinem Vortrag fing die Kamera die überraschte Begeisterung der Gäste ein, die sich erhoben, jubelten und applaudierten.

Am Donnerstag, fünf Tage nach der Trauung, ist der singende Pfarrer der Überraschte. Nie hätte er sich träumen lassen, dass das Youtube-Video so ein Erfolg werden könnte. Davon erfahren hat er überhaupt nur, weil ihm Chris und Leah O'Kane eine Dankesmail geschrieben haben, mit dem Nebensatz "Und übrigens: Sie sind auf Youtube, hier der Link". Die sympathische Reaktion des Priesters: "Oh mein Gott, dass klingt ja tatsächlich gut!"

Bereits eine Stunde später klingelte zum ersten Mal das Telefon und steht seitdem nicht mehr still. Immer wieder riefen Menschen an, um ihm zu gratulieren und über den Stand der Klicks auf dem Laufenden zu halten, sagt der Priester. Auf diese Weise erfuhr er auch erst durch den Anruf von katholisch.de von seinem Millionenerfolg.

Pfarrer Kelly ist jetzt ein gefragter Mann, war am Donnerstagmorgen bereits Gast in einer Radioshow und wird Freitagabend im irischen Fernsehen in der Late Late Show auf RTÉ One zu sehen sein. Und währenddessen geht seine Version von "Hallelujah" um die Welt und berührt Millionen von Herzen.

Von Gregory Elson
© katholisch.de

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