Mesnerin Angelika Wolf

Alles unter Kontrolle in "Wolf`s Revier"

Michel: Angelika, wie bist du denn zu deinem Beruf als Mesnerin gekommen?

Angelika Wolf: Das hat sich ganz zufällig ergeben. Ich habe erfahren, dass hier eine Mesnerin gesucht wird und wollte mich beruflich verändern. Daher hab ich mir gedacht, "ich schau mir das jetzt ein Jahr an und schau ob mir das taugt". Naja und das war 2001, also immerhin vor 16 Jahren.
Was gefällt dir denn an deiner Aufgabe besonders gut?

Es ist eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit und man lernt auch immer wieder nette Leute kennen. Toll ist, dass manche das wirklich zu schätzen wissen und einem auch sagen, dass man einen guten Job macht. Und wenn man Hilfe braucht, ist auch immer jemand da, man braucht nur gewisse Leute zu fragen und bekommt Unterstützung. Gerade beim Totenrosenkranz bin ich um meine Rosenkranztruppe sehr dankbar. Denn mittlerweile wollen zwar viele Angehörige einen Totenrosenkranz, können oder wollen aber selbst dazu nichts oder nur wenig beitragen. Ab und an verschlägt es mich dann auch noch nach St. Michael, als Aushilfe bei Beerdigungen, wenn der Michaels-Mesner seinen freien Tag hat. Ich bin zwar nicht Mädchen für alles, aber doch für Vieles und gern auch für die Ministranten da. Bei der Sternsingeraktion kümmere ich mich zum Beispiel um das Aufsperren, das Sortieren der Süßigkeiten, das Waschen und Bügeln der Gewänder, damit einfach alles ordentlich ausschaut.
Wann gibt’s denn im Kirchenjahr den meisten Stress für dich als Mesnerin?
In Maria Himmelfahrt ist das Ostern. Denn da geht es bei mir von Mittwoch mit der normalen Abendmesse bis Ostermontag in einer Tour durch. Jeder Tag ist anders, dann noch die Proben mit den Ministranten. Und eine besondere Herausforderung ist es, wenn man dann noch jeden Tag einen anderen Geistlichen da hat, denn jeder hat so seine eigenen Gepflogenheiten und Wünsche. Da ist es mir schon lieber einen Geistlichen komplett durch, der weiß was Sache ist - dann läuft‘s auch.

Aber das ist ja noch gar nicht alles oder? Du hast ja hier noch ein paar andere Rollen, so sieht man dich z.B. oft im Kindergarten umhereilen. Was machst du denn bei den kleinen Pfarreimitgliedern?
Im Kindergarten und der Kinderkrippe bin ich neudeutsch die Facilitymanagerin - die Hausmeisterin. Also alles was rundum anfällt: jetzt grad im Herbst Laubrechen und im Winter Schneeräumen, Sträucher schneiden und gewisse handwerkliche Tätigkeiten, soweit es mir möglich ist, erledige ich selbst. Selbst ist die Frau!

Frauenpower und Durchhaltevermögen sind ja auch bei der Andechs-Wallfahrt dein Markenzeichen. Wie bist du denn zu deinem Zusatzjob Vorbeterin der Pilgerschaft geworden?
Den Job hab ich anteilig noch dem scheidenden Pfarrer Schaufler zu verdanken, aber dann letztlich durch Anfrage von Hr. Prof. Dr. Schwartz. Ja und damals dachte ich ja noch, mit Ihm, also Pfarrer Schwartz, an meiner Seite kann mir nichts passieren. Leider war des nach Steindorf schon beendet mit unserer gemeinsamen Wallfahrt. Ich hab ihm zwar angedroht, wenn wir wieder ankommen, steinige ich ihn am Marktplatz. Aber ich bin halt dann so a Mensch, der‘s einfach im nächsten Jahr nochmal probiert und was verändert und letztlich habe ich gelernt, auf einer Wallfahrt braucht man immer Trillerpfeife und a Peitsche.

Na da ist es ja kein Wunder, dass es im Pfarrfasching schon öfters hieß, du führst ein strenges Regiment. Was möchtest du denn in „Wolf`s Revier“ gerne noch ändern bzw. verbessern?
Ich sag ganz einfach, des passt schon so wie es ist, ich bin zufrieden! Denn wenn mich etwas stören würde oder es schlechte Zeiten gegeben hätte, dann hätte ich schon längst das Weite gesucht.

Pfarrer Schwartz hat ja in seiner Amtszeit in Mering eine Kirche nach der anderen renoviert. Wie bist du denn nun mit dem Erscheinungsbild von Maria Himmelfahrt zufrieden, gibt’s da auch nichts zu beanstanden?
Nach der Renovierung muss ich sagen, dass mich die Kirche vor allem farblich anspricht. Das Helle ist sehr schön, „meine Kirche“ strahlt jetzt in einem anderen Glanz. Diese Nüchternheit, so ganz ohne Gemälde, ist schon auch einzigartig. Ein bisschen groß und hoch ist sie eben. Aber dafür haben wir es bei den Taufen unter der Empore jetzt umso gedrungener. Das muss man auch mögen, so im Stuhlhalbkreis. Das war auch für mich gewöhnungsbedürftig, vor allem in der ersten Osternacht, als man mit Osterkerze hinten rein kam. Und ja, auch mit dem Lichtkonzept und den Hasenohren hinterm Christus hab ich mich arrangiert. Bei der Renovierung bin ich ja oft reingekommen und alles erstrahlte im roten Licht. A Kirche in Rotlicht getaucht, da denkt man sich ja schon seinen Teil, aber man muss es als liturgische Farbe sehen und zum Glück ist ja die meiste Zeit im Jahr grün. Und wir haben ja auch andere Highlights. Wir sind schließlich nicht nur nüchtern, ein bisschen Gold und barocken Prunk haben wir schon auch. Die alte Krankenhauskapelle aus Mering ist schon was Besonderes, gerade bei den Kirchenführungen mit den Kommunionkindern mach ich dort immer extra das Licht an, damit Sie sehen auch bei uns funkelt‘s ein Bisschen. Wer weiß was damit passiert wäre, vermutlich wäre Sie einfach weggeworfen worden, wenn der Hermann Paul und wir Afraner ihr nicht Zuflucht gewährt hätten.

Jetzt sind wir aber schon noch neugierig! Wer hat eigentlich in der Sakristei das letzte Wort- du oder der Hr. Pfarrer?
Ach das letzte Wort braucht‘s gar nicht, manchmal kann man gewisse Situationen auch einfach aussitzen (.

Das hört sich ja echt alles gut an, bei immerhin schon 16 Jahren. Bei deiner Besonnenheit muss ich jetzt abschließend schon noch nachfragen, wie du die Distanz von eingefleischten Meringern zur „Siedlung“ siehst.
Der Zwist zwischen Meringern und Afranern - damit kann ich gar nichts anfangen. Die Vorurteile gegen die Flüchtlinge von damals könnte man schon mal langsam begraben. Wir sind normale Leute, nicht minderwertig. Ich selbst bin ja gar keine gebürtiger Afranerin und weit rumgekommen. In Mering geboren, als Kind in Kissing und Merching aufgewachsen, dann als Erwachsene auch noch in Augsburg gelebt. Aber Augsburg war mir von den Leuten her zu unpersönlich: „Schau mi net an, grüß mi net“. Hier aufm Land, da redet man noch miteinander, zumindest früher, aber jetzt merkt man auch hier schon, dass es anders wird. Wir sind jetzt 25 Jahre in Afra, ich hab die Leute noch über Kindergarten, Mutter-Kind-Gruppen und die Älteren über die Mesnerstelle in der Kirche kennengelernt. Bei den Ministranten haben wir es mittlerweile immerhin geschafft, den Graben zu überwinden und gemeinsame Mini-Teamsitzungen und Veranstaltungen zu etablieren. Ich hab mit niemandem ein Problem und mir geht der Hut hoch beim Zwist Meringer gegen Afraner. Wir schimpfen ja auch nicht über die Meringer, die „Großkopfaten und Großnasen“. Aber wenn einer anfängt, dann kann ich schon auch hantig werden. Das Schöne ist, dass mich dann niemand „Zuagroaßte“ nennen darf, weil ich eine gebürtige, echte Meringerin bin. Als die Kirche in Mering geschlossen war, mussten die Meringer ja zu uns herunter, da hast ja gemeint, man reiße ihnen hier den Kopf ab. Ich denk mir dann immer stirb mit dem Vorurteil. „Wer nicht freiwillig kommt soll dahoam bleiben!“
Na wenn das nicht mal eingängige Abschlussworte sind. Vielen Dank für das Gespräch!

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