Ich freue mich sehr, dass ich hier zu Hause sein darf

Pater Wilfried Kunz SAC, der seit 2011 als Pastoraler Mitarbeiter und Betreuer der Schwestern in Theresienkloster mit dem angeschlossenem Heim des Caritasverbandes in der Meringer Pfarrgemeinde zu Hause ist, feierte im Juli 2019 sein goldenes Priesterjubiläum. Im Gespräch mit dem „Michl“ gibt der 76-jährige Pallottiner Einblicke in seine seelsorgerische Vergangenheit und Gegenwart.

„Michl“: Pater Kunz, Sie haben in diesem Jahr ihr goldenes Priesterjubiläum gefeiert, für uns in Mering auch verbunden mit einem großen Fest in der Mehrzweckhalle zum Patrozinium. Stehen Sie noch im Eindruck aller Feierlichkeiten oder sind Sie bereits wieder in Ihrem Alltag angekommen?

Pater Wilfried Kunz: Es war eigentlich ein Festsommer. Es begann am Weihetag in Friedberg im Kreise meiner Mitbrüder, dann natürlich in meiner Heimatpfarrgemeinde im Schwarzwald und zuletzt hat mich unser Pfarrer Thomas Schwartz eingeladen, hier beim Kirchenpatrozinium dabei zu sein und mit unserer Pfarrgemeinde St. Michael zu feiern. Ich freue mich und bin dankbar, dass ich das erreichen und erleben durfte, bin jetzt aber froh, dass die Sache abgerundet ist. Nun gehe ich gerne wieder meinen normalen Weg in der Seelsorge im Alltag weiter. Das angesprochene Fest hat sicher gezeigt, wie sehr Sie bei den Menschen in Mering präsent und auch beliebt sind.

Kann man das als Feedback für die eigene Arbeit sehen?

Ich freue mich sehr, dass ich von der Bevölkerung angenommen bin und hier auch zu Hause sein darf. Vom Lebensalter her gesehen ist es natürlich gerade die ältere Generation, für die ich da bin: Beispielsweise bei Krankenbesuchen zu Hause mit der heiligen Kommunion. Hier spüre ich, dass es ein sehr wichtiger Dienst ist, die älteren Menschen in der Pfarrei nicht nur einmal, sondern auch regelmäßig zu besuchen. Andererseits bin ich in die Gottesdienste und Sakramente der Pfarrgemeinde eingelassen, und habe es oft mit jungen Leuten zu tun: Paare, die ein Kind zur Taufe anmelden, aber auch gelegentlich Hochzeitspaare. Es freut mich auch immer, die Ministranten in der Sakristei begrüßen zu können. Da bemühe ich mich seit Jahren, mir die Namen der Ministranten mit verschiedenen Merktechniken einzuprägen. Das ist mittlerweile ein heiteres Spiel mit den Kindern geworden und eine schöne Möglichkeit, mit ihnen zu kommunizieren.

War es genau dieser freudvolle Umgang mit Menschen, den Sie sich erhofft hatten, der Sie dazu bewegt hat, den Weg als Priester einzuschlagen?

Das ist eine andere Sache: Ich komme aus dem Schwarzwald vom Land. Da hat mich ein Pfarrer durch seine Beziehungen zum Ordensoberen aufs Gymnasium zu den Pallottinern nach Bruchsal gebracht. Da habe ich dann Abitur gemacht. Aus meinem Jahrgang sind einige wie ich in den Orden eingetreten. So viele Gedanken habe ich mir damals nicht gemacht. Erst später im Studium oder dann als Jungpriester kamen diese Aufgaben auf mich zu: Ich war als Seelsorger in einer ganz großen und schwierigen Gemeinde in Stuttgart tätig. Hier haben mich die Menschen geprägt, die ich besucht habe. Fast täglich bin ich zu Hausbesuchen aufgebrochen. Das war damals so. Ich habe auch bei vielen Menschen vorbeigeschaut, die aus der Kirche ausgetreten waren. Sie haben sich immer gefreut, wenn man sich nach Ihnen erkundigt hat. So sind Kontakte entstanden. Das hat mir Freude gemacht: Nicht nur Messen zu halten, sondern eben mitten unter Menschen zu sein.

Auch in Mering wohnen Sie im Benefiziatenhaus genau genommen „mitten unter den Menschen“. Ist das ein Vorteil?

Das könnte vom Ort her nicht besser sein. Die Menschen ziehen hier am Haus vorbei hinauf zur Kirche, gegenüber zum Rathaus oder runter zum Markt. Wie oft sehe ich Menschen, wenn ich nur zur Gartentür hingehe?! So komme ich mit ihnen stets in Kontakt. Es ist also ein hervorragender Ort für Kommunikation, nicht nur mit Menschen der Pfarrgemeinde, sondern von überall her.

Sie fühlen sich scheinbar sehr wohl hier. Dürfen sich die Meringer also noch lange über Sie in ihrer Mitte freuen?

Ich fühle mich sehr wohl hier und schlage auch Wurzeln in Mering. Das heißt, dass ich nicht nur das Alltagsgeschäft machen möchte, sondern auch die Geschichte hinterfrage. Ich bin gerade dabei, mit Hilfe des Pfarrarchivs etwas über das Benefiziatenhaus zu erarbeiten. Das ist alles sehr interessant. Hinter mir liegt ja die Recherche über die Geschichte der Pallotiner-Provinz, an der ich sehr lange gearbeitet habe, und die in 10 Bänden erschienen ist. Es reizt mich eben immer, Dingen auf den Grund zu gehen. Auch in Mering.

Blicken wir nochmal kurz auf die Geschichte ihrer Priesterlaufbahn. Gab es irgendein Ereignis, das Sie am meisten bewegt hat?

Einzige Tage und Daten zu nennen, ist schwierig. Es waren eher Entwicklungen. In meiner Pfarrgemeinde in Stuttgart oder auch später in Herrgottsruh als Wallfahrtsdirektor bin ich auf Menschen getroffen, mit denen ich zu verschiedensten Anlässen in Glaube und Kirche zusammen sein durfte. Außerdem habe ich Ordenshäuser geleitet. Hier musste ich erfahren, dass die Ordensgemeinschaften schrumpfen und Mitglieder verlieren. Ich habe sogar zwei Niederlassungen auflösen müssen, das Personal konnte teils nicht übernommen werden. Auch das hat mich geprägt. Ich habe gesehen, dass die Kirche nicht nur im Aufbau ist, sondern auch Abschied von über Jahrzehnten laufenden Projekten nehmen muss. Doch nach wie vor empfinde ich in dem, was ich tue und was mir aufgetragen wird, viel Freude und vor allem Sinn. Ich habe meinen Platz in der Kirche und versuche diesen – so gut ich kann – zu füllen.

Das gelingt Ihnen in Mering auf beeindruckende Weise. Vielen Dank für das Interview!

Gerne. Gerade für den Pfarrbrief. Er ist für mich ein hervorragendes Produkt, das ich regelmäßig studiere und auch Bekannten, Freunden und anderen Seelsorgern gerne zum Geschenk mache. Durch die fast tägliche Lektüre gelingt es mir, die Pfarrei und ihre einzelnen Gruppen besser kennenzulernen. Mit Freude erhalte ich diesen Einblick in den reichen Fundus der Pfarrgemeinde.

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