Auf dem Weg ins Priesteramt

Michl: Tobias, du bist seit September 2016 in Mering. Deine Heimat ist ja der nördliche Landkreis. Konntest du dich hier im „Süden“ gut einleben?

Tobias Seyfried: Mir gefällt `s sehr gut in Mering. Es ist wirklich so, dass der Landkreis Süden und Norden wenig miteinander zu tun haben und die Leute gar nicht wissen, wo Echsheim liegt. Daher haben sich schon ein paar Meringer auf die Suche nach besagtem Echsheim gemacht - und gefunden ;-). Meine Familie wiederrum war auch schon öfter in Mering zu Gast. Ich selbst kannte in Mering nur die Diskothek B2 und den Bahnhof von der Durchfahrt nach München. Mir gefällt an Mering das Dörfliche, der Zusammenhalt und dass man sich noch kennt.

Das ist spannend, denn bei uns finden ja viele Einheimische, dass die Markt Gemeinde das schon komplett verloren habe. Wie empfindest du das als Außenstehender?

Es ist nicht so anonym, ich entdecke den Dorfcharakter schon noch, sehe aber auch, dass viele Mering als Schlafstätte nutzen. Das macht es im Pastoralen eben schwierig, beiden Seiten gerecht zu werden. Die Neubürger zu integrieren, aufzunehmen und eine Willkommenskultur auch in der Kirche umzusetzen.

Die Pfarrei St. Michael ist dein erster Einsatzort in der priesterlichen Seelsorgelaufbahn, beginnend als Pastoralpraktikant und später als Diakon. Was hast du in dieser Zeit als besonders prägendes Ereignis erlebt?

Es ist nicht ein Ereignis, an dem ich das festmachen kann, sondern die ganze Zeit ist prägend für mich. In der Ausbildung wurde ich stets geführt und jetzt kommt die Selbständigkeit. Projekte zu leiten und durchzuführen, ist schon etwas Besonderes. Da gibt es zum Beispiel den Aufbau der Jugendband, bei der ich auch selbst schon mal zur Unterstützung das Tenorhorn ausgepackt habe, was mir viel Spaß macht. Oder auch der Bibelkreis, den es seit August 2017 gibt. Auf einem katholischen Glaubensfest wurde ich von einer Jugendlichen angesprochen und wir haben zunächst ganz klein mit drei Leuten angefangen. Mittlerweile sind wir jetzt neun Interessierte im Alter von 14 bis 34 Jahren, die sich mehr mit den Texten der Heiligen Schrift beschäftigen wollen. Mir persönlich ist es wichtig, hier eine Möglichkeit zum tieferen Einstieg in das Evangelium und den Glauben geben zu können.

Die Diakonatszeit bereitet einen angehenden Priester auf sein Amt vor. Beschreibe doch bitte diesen wichtigen Schritt.

Die Diakonenweihe war mit das einschneidendste Ereignis meines Lebens. Mit dieser Weihe habe ich mich ja auch verpflichtet, den Zölibat zu halten. Bei der Diakonenweihe war ich ziemlich unter Strom gestanden, also aufgeregt, denn dadurch veränderte sich ja alles, meine gesamte Rolle. Als Praktikant läuft man erstmal nur mit und wird geführt. Als Diakon durfte ich ab diesem Zeitpunkt in der heiligen Messe das Evangelium verkünden und predigen. Außerdem kommen Trauungen, Taufen, Beerdigungen zum Aufgabenspektrum dazu und ich als Diakon darf den eucharistischen Segen spenden.

Was würdest du rückblickend selbst als Lernergebnis oder Wissenszuwachs aus dieser Zeit hier sehen?

Selbst zu führen, da musste ich erst reinwachsen. Auf einmal steht man vorne, muss einen Plan haben und wissen, was man zu sagen hat, was als nächstes kommt. Der Glaube und das Wort Gottes fordern heraus und so musste ich auch erst das Predigen lernen. Die richtigen Worte zu finden, die die Leute ansprechen, ist eine allsonntägliche Herausforderung, denn das Evangelium geht nicht immer butterweich runter. Man muss vielleicht dazusagen, ich war in Deutsch nie die große Leuchte, Aufsatzschreiben war mir ein Graus, lieber war ich draußen auf dem Hof, als dass ich mich in Bücher vertieft hätte. Die Jahre sind vergangen und mittlerweile habe ich schon viele Bücher gelesen … Trotz des Bücherlesens bleibt Predigen eine Herausforderung. Man bringt’s vielleicht nicht immer richtig rüber, aber im Großen und Ganzen fällt es mir leicht, ich brauche keine Hilfsmittel und kopiere auch nicht, es sprudelt einfach so aus mir raus.

Das hört sich doch positiv an. Gab es schon mal Momente des Zweifels, Situationen, die deinen Wunsch Priester werden zu wollen, ins Wanken gebracht haben?

Ein großes Wanken und Schwanken gab es bei mir nur im Vorfeld, bevor ich ins Priesterseminar eingetreten bin. Die Entscheidungsfindung war schon anstrengend und ging über Jahre. Ob ich eine Freundin und Familie haben wollte, war schon mit einigem Ringen verbunden. Auch wenn das Priesterseminar als Zeit der Erprobung gilt, gab es für mich ab dem Eintritt keinen gravierenden Zweifel an meinem Weg. Wenn überhaupt Zweifel aufkamen, dann nur, ob ich den Herausforderungen des Berufs gewachsen sein könnte, nie aber am Berufswunsch selbst.

Du hast ja auch den Zölibat und die Entscheidung gegen eine eigene Familiengründung angesprochen - wie geht deine Familie mit diesem Berufswunsch um?

Anfangs waren meine Eltern schon schockiert. Da hat keiner damit gerechnet, dass ich Priester werde. Mittlerweile sehen sie, dass es trotz aller Herausforderungen der richtige Weg für mich ist und sind stolz auf mich. Meine Familie unterstützt mich, gibt mir Rückhalt und sie kompensiert sicher auch einiges. Ich fahre zum Beispiel einmal in der Woche nach Hause und sehe auch meine kleine Nichte mit 18 Monaten. Die Besuche freuen mich und ich kann so am Aufwachsen eines Kindes teilhaben.

Am 24. Juni steht deine Priesterweihe an. Bist du aufgeregt, nervös oder überwiegt die Freude?

Es ist eine große Freude, denn nach der Priesterweihe lebt man noch mehr aus den Sakramenten. Man darf die Beichte spenden und die heilige Messe feiern. Aufgeregt bin ich aber vor allem wegen der Primiz, die eine Woche nach der Weihe ansteht. Es ist die erste heilige Messe, die ich selbst feiere und da gehen mir schon einige Gedanken durch den Kopf: wie es läuft, was schief gehen könnte und wie das Wetter sein wird. Primiz - das ist auf dem Dorf schon was Besonderes, so rechnen wir zum Beispiel mit 1000 Leuten beim Essen. Eine Dimension, die jede normale Geburtstagsfeier oder Hochzeit übersteigt. Es ist ein Freiluftgottesdienst auf dem Sportplatz geplant, aber zur Not wird die Maschinenhalle fürs Essen eben auch für die Primizmesse genutzt. Mein Heimatpfarrer schwört jedenfalls auf die Johanna Franziska von Chantal als Fürsprecherin des Wetters.

Stell dir vor ein Schüler im Religionsunterricht würde dich zu deinem Berufswunsch fragen. Was antwortest du ihm, warum soll sich ein junger Mensch heute für den Priesterberuf entscheiden?

Ich würde ihm deutlich machen, dass es wichtig ist, sich auf den Weg zu machen, um Priester zu werden. Der Priester ist der Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Es braucht auch heutzutage Leute, die von Gott erzählen und mit ihrer zölibatären Lebensweise lebendiges Beispiel für ein Leben mit Gott sind. Als Priester haben wir die Aufgabe diese Beziehung zu Gott zu vermitteln und vor allem die Christusbeziehung zu verdeutlichen. Gott ist immer noch aktuell, den Platzhalter für Gott trägt jeder im Herzen, er wird nur oft von anderen Dingen ausgefüllt z.B. aus der esoterischen Schiene. Das ist meiner Meinung nach aber nicht der richtige Weg. Junge Menschen, die im Abwägen sind, ob sie Priester werden, möchte ich daher ermutigen, die Herausforderungen anzunehmen. Natürlich ist sowohl die Familiengründung als auch das Priestertum mit Höhen und Tiefen verbunden und nicht immer leicht. Man gibt als Priester aber nicht nur, sondern man bekommt auch viel von Gott und seinen Mitmenschen zurück.

Wenn du an deine Zukunft denkst, welche Wünsche und Gebete hast du an Gott hinsichtlich deines weiteren Weges?

Ich bete darum, dass mein Handeln und meine Ideen fruchtbar werden und ich Menschen begeistern kann für Gott. Kreativ zu sein, neue Wege zu begehen, aber auch auf Erfahrungen anderer zurückzugreifen, ist mir wichtig. Ich wünsche mir in der Tiefe der Herzen ein Feuer zu entfachen und nicht nur an der Oberfläche der Menschen zu kratzen. Das Feuer muss ich nicht unbedingt sehen oder an meine Person knüpfen können, sondern in den Herzen soll die Gottesbeziehung aufflammen. Mein Primizspruch lautet: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“. Das ist auch eine Erleichterung, zu wissen, dass es nicht um mich geht, sondern um Gott. Es geht nicht darum, was ich als Mensch und Priester leisten kann oder muss, denn da komme ich immer an meine Grenzen, wichtig ist, dass Gott die Herzenstüren geöffnet werden. Dies möchte ich in die Pfarreien, in denen ich zukünftig sein werde, den Menschen vom Baby- bis zum Seniorenalter vermitteln.

Wir sind uns sicher, dass mit dieser demütigen und weitsichtigen Lebenseinstellung ein fruchtbarer Weg mit Gott vor dir liegt. Wir wünschen dir für deine Zukunft Gottes Segen und viele schöne Begegnungen. Vielen Dank für das Interview, Tobias!

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