Für Mering würde ich mich zerreißen

Der Michl: Guten Tag Frau Jehle, Sie kommen ja aus der Umgebung. Was hat Sie schließlich nach Mering verschlagen?

Ich habe am Dreikönigstag 1991 in Ulm das Licht der Welt erblickt und bin in Königsbrunn aufgewachsen. Dort habe ich meine Schulzeit verbracht, bis mich meine Liebe zur Musik für die Kollegstufe ans Gymnasium bei St. Stephan geführt hat. Mein Studium für das Realschullehramt mit den Fächern Musik und Katholische Religionslehre an der Musikhochschule und der LMU in München habe ich mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen, bevor ich ein paar Monate später in Augsburg-Lechhausen meine dreijährige Assistenzzeit zur Gemeindereferentin absolvieren durfte.

Aber Gemeindereferentin ist kein alltäglicher Beruf. Schon gar nicht in den Krisenzeiten der Kirche. Gab es denn eine Art "Berufungserlebnis"?
Es gab in meinem Leben nicht diesen einen Moment der Berufung. Ich würde deshalb statt von einem Berufungserlebnis eher von einem Berufungsweg sprechen. Schon seit der 1. Klasse wollte ich Lehrerin werden und habe diesen Wunsch nun auch (teilweise) umgesetzt. Doch durch die Chance während meines Studiums ein Jahr lang zwei Musikklassen an meinem alten Gymnasium zu unterrichten, habe ich gemerkt, dass nur vor Klassen stehen nicht "alles" für mich sein wird. Dazu kam, dass ich mit Anfang 20 eine große Unruhe in mir spürte, weil ich meinen Platz noch nicht ganz gefunden hatte – ja, da könnte man von Berufung sprechen. Da ich von klein auf in der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn aktiv war und mir diese zur Heimat wurde, habe ich eins und eins zusammengezählt und mir wurde plötzlich klar, dass ich Gemeindereferentin werden muss. Jetzt bin ich beruflich absolut angekommen und darf dabei nicht nur von meinem Traumberuf, sondern von Berufung sprechen.


Und wie sieht so ein Tag in Ihrem Traumjob aus?
Hier in Mering bin ich nun hauptsächlich für die Ministranten, die Begleitung der Miniteams und die Erstkommunionvorbereitung zuständig und darf den Jugendbibel - und Gebetskreis begleiten. Ich bereite momentan auch einen Jugendlichen auf die drei Initiationssakramente vor, gebe Religionsunterricht und werde immer wieder für einzelne Veranstaltungen von verschiedenen Gruppierungen und Ehrenamtlichen angefragt. Darüber hinaus schließe ich bald meine Weiterbildung zur Notfallseelsorgerin ab und schnuppere in verschiedene Tätigkeitsfelder der Pfarrei, die ich nach und nach übernehmen werde. Einen typischen Arbeitstag kann ich gar nicht nennen, weil in diesem Beruf kein Tag dem anderen gleicht. Zu meinem Arbeitsalltag gehören diverse Absprachen per Mail, Telefon und Messenger, Dienstgespräche, Sitzungen mit verschiedenen Gremien, Vor- und Nachbereitung von Aktionen und liturgischen Elementen am Schreibtisch. Das Schönste ist aber die Planung und Durchführung von unterschiedlichen Veranstaltungen mit Ehrenamtlichen sowie deren Begleitung. Ich freue mich auch, dass ich hier in Mering immer wieder das ein oder andere seelsorgliche Gespräch führen darf. Die große Abwechslung in der pastoralen Arbeit ist für mich einzigartig.


Scheinbar liegt Ihnen die Arbeit mit Gemeindemitgliedern besonders am Herzen. Verraten Sie uns wieso.
Ich liebe meinen Beruf, weil eben kein Tag wie der andere ist und ich mit verschiedenen Altersgruppen in unterschiedlichen Kontexten und für diverse Pfarreiveranstaltungen arbeiten darf. Doch mein Herz hängt definitiv an der Jugendarbeit. Die Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen an meinem Schreibtisch im alten Mesnerhaus müssen sein und die Erarbeitung von neuen Konzepten macht mir auch Spaß, doch am liebsten verbringe ich meine Zeit mit der Durchführung von Aktionen mit Jugendlichen. Das mache ich unglaublich gern, weil ich es spannend finde, junge Menschen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg zu begleiten und mit ihnen Kirche und Gemeinschaft in der heutigen Zeit zu gestalten und zu leben.


Jesus gab seinen Jüngern einst den Auftrag die frohe Botschaft in die Welt zu tragen. Das war für das entstehende Christentum essentiell. Inwiefern erfüllen auch Sie diesen sogenannten Missionsbefehl aus dem Mt-Evangelium?
Der Missionsbefehl des Auferstandenen im Matthäusevangelium fordert unter anderem auf Menschen zu taufen und sie zu Jüngern zu machen. Zwar steht es nicht in meiner Macht zu taufen und darüber hinaus bin ich überzeugt, dass ich Jünger nicht „machen“ kann, da der Glaube ein Geschenk Gottes an uns Menschen ist, dennoch versuche ich durch mein Wirken in Schule und Pfarrei als überzeugte Christin den Glauben an unseren dreifaltigen Gott in Wort und Tat zu leben. Das gelingt mir mal mehr und mal weniger. Dem Missionsbefehl Jesu nachkommen, heißt für mich nicht andere zu bekehren, sondern ihnen von meiner Begeisterung und Freude am HERRN Zeugnis abzulegen - das geht nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch am Lagerfeuer mit Jugendlichen oder auch in einer PGR-Sitzung.
Die Gemeinde Mering ist einzigartig - keine Frage. Wie wurden Sie in diese Gemeinschaft aufgenommen?


Ich bin sehr glücklich in Mering und habe mich dort vom ersten Tag an sofort total wohl gefühlt. Das liegt daran, dass ich die Pfarrgemeinde als sehr aktiv empfinde, in der viele verschiedene Ehrenamtliche ihre Gaben einsetzen und Freude daran haben, das Gemeindeleben zu gestalten. Der Heilige Geist ist für mich hier immer wieder deutlich spürbar. Ich bin wirklich dankbar, dass ich unter 40 ausgeschriebenen Stellen einen so guten Ort für mich gefunden habe und mir die Meringer immer wieder zeigen, dass ich in der Pfarrei willkommen bin. Die Begeisterung der Ehrenamtlichen für die Gemeinschaft und der Glaube in Mering sind für mich Segen und Fluch zugleich. Segen, weil es für mich nichts Schöneres gibt als gemeinsam mit vielen Menschen das Reich Gottes zu gestalten. Ja und zum Teil auch Fluch, weil ich merke, dass ich trotz meiner Vollzeitstelle nicht allen Anfragen zur Unterstützung in verschiedenen Gruppen und Gremien gerecht werden kann. Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich nicht immer allen Anfragen nachkommen kann. Könnte ich mich zweiteilen, für die Pfarrei in Mering würde ich es tun - wirklich!


Beschreiben Sie Ihre Visionen für Mering!
Wie schon berichtet, ist die Jugendarbeit ein Herzensanliegen für mich. Meine Vision betrifft deshalb auch die Jugend. Mir schwebt längerfristig eine offene Jugendarbeit vor, in der junge Menschen von der Erstkommunion an (oder sogar schon früher) über die Firmung hinaus ihren Platz in der Pfarrei finden können, egal ob als Jugendlicher, der Ministrant ist oder der sich einfach so einbringen möchte. Durch verschiedene Angebote und Möglichkeiten zur Mitgestaltung des Pfarreilebens hoffe ich, dass die Jugendlichen erfahren dürfen, dass sie von der Gemeinschaft getragen werden und sie in der Kirche Heimat finden können. Ich wünsche ihnen, dass sie dadurch die Erfahrung machen können, dass der Glaube etwas ist, der sie durch ihr Leben führt und begleitet.


Und wie sieht es mit der Gesamtkirche aus? Haben Sie Sorgen?
Früher hätte ich gesagt, dass mir die zurückgehenden Zahlen der Gläubigen und auch der Berufungen für pastorale Berufe Sorgen bereiten. Doch heute glaube ich, dass solche Zeiten auch notwendig und eine Chance für uns sind, uns als Kirche neu auf Christus und die Nöte der Menschen auszurichten. Mir bereitet jedoch Sorgen, dass sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden, weil sie von ihr enttäuscht wurden oder den Mehrwert des Glaubens für ihr Leben nicht erkennen. Kirche und Glaube müssen wieder attraktiver werden und diese Aufgabe dürfen wir als Christen nicht allein den Verantwortlichen unserer Kirche zuschreiben. Das ist etwas, was wir gemeinsam in Mering und auch jeder Einzelne von uns im jeweiligen privaten Umfeld leben kann.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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