Die Kunst ist lang, das Leben kurz

Man sieht ihn selten und doch ist er stets präsent. Egal ob bei den Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen oder anderen Festen in der Pfarrei, die außerhalb der Kirchenmauer stattfinden. Christian Schwarz ist zwar nicht zu sehen, aber deutlich zu hören - sein Orgelspiel ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Im Interview erzählt der seit acht Jahren in Mering tätige Musiker über seine Leidenschaft und seine Arbeit in der Pfarrei.

 

Michl: Lieber Christian, du bist nun seit 2007 in Mering Kirchenmusiker. Wie bist du denn überhaupt zur Musik gekommen?

Christian Schwarz: Es gab eine Grundschullehrerin, die Gitarre gespielt hat, das hat mich sehr fasziniert, das wollte ich auch. In Augsburg musste man dann zuerst zur Singschule und dort Noten lernen, bevor ich dann mit Gitarre angefangen habe.

Michl: Wie kommt man denn dazu sich die Orgel als Instrument auszusuchen? Die meisten Jugendlichen hätten doch E-Gitarre oder Schlagzeug viel cooler gefunden.

Ein Grund war, dass meine Cousine Keyboard gespielt hat. Sie hatte eine Vollblutmusikerin als Lehrerin, bei der ich dann selbst den Grundstock in Harmonielehre bekommen habe. Ich habe angefangen ebenfalls Keyboard zu spielen, und am interessantesten fand ich da immer den Orgelklang. Später als Ministrant faszinierte mich dieser Klang immer noch am meisten. Aber eine Orgel passt nun mal nicht ins Wohnzimmer. Deshalb habe ich sämtliche Orgelliteratur auf einer Heimorgel gespielt. Und dann kam der Tag, als ich an unserem Schulgottesdienst hätte spielen dürfen, nur zu Hause war das mit den Füßen schwer zu üben.

Wie alt warst du damals, als du deinen ersten Gottesdienst gespielt hast?

Ich war so 15 oder 16 Jahre und hab mir im Vorfeld überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich dachte einfach, ich setz mich an die Orgel und spiel das dann. Leider habe ich schnell gemerkt, dass eine Kirchenorgel im Gegensatz zu der Heimorgel eine andere Liga ist.

Du hast vorher nie an dem großen Instrument geprobt, also ein kalter Sprung ins Wasser. Respekt.

Stimmt, aber meine Lehrerin hat mir dann geholfen. Sie hat unten die Füße übernommen und ich habe nur oben die Hände gemacht. Das Pedalwerk hat sich dann auch ganz gut angehört. Danach hatte ich Blut geleckt. Ich bin zum Pfarrer gegangen und habe gefragt, ob ich den Schlüssel zum Üben haben dürfe und hatte fortan professionellen Unterricht. Mein Gitarrenlehrer hat eh immer gesagt, „Spiel net so laut, dass is kei Orgel“.

Welchen Tipp gibst du heutigem Orgelnachwuchs?

Man muss kein Klavier können, wie früher oft behauptet wurde - eine Orgel ist eh komplett anders, aber man muss viel üben, um dieses Instrument zu beherrschen. Das Üben kostet Zeit und leider haben die Jugendlichen von heute viel zu tun. Man braucht vier bis fünf Jahre, um einen Gottesdienst souverän spielen zu können und sich nicht von den mitsingenden Sängern durcheinander bringen zu lassen. Das Volk singt nämlich oft anders als man das eingeübt hat.

War für dich ab dem Zeitpunkt deines souveränen Spielens dann sofort klar, dass du einmal hauptberuflich Kirchenorganist machen wirst?

Das war die logische Schlussfolgerung. Ich habe geübt, Gottesdienste gespielt und festgestellt, dass ich gerne Orgel spiele und damit mein Leben verbringen möchte. Also habe ich Kirchenmusik studiert. Nur war mir damals nicht klar, dass ich dann auch noch das Dirigieren und das Chorleiten studieren muss. Im Nachhinein war das aber genau der richtige Weg. Ich weiß jetzt rückblickend betrachtet meine Gitarrenlehrstunden, die mir ein harmonisches Grundgerüst gegeben haben, zu schätzen. Das ist sehr vorteilhaft beim Improvisieren. Und ja, ich wollte Kirchenorganist sein. Als Konzertorganist in irgendeiner Halle zu spielen und aus dem Koffer zu leben, das wäre nichts für mich gewesen, da fehlt dann auch die Verbindung zur Kirche und zum Gottesdienst.

Du hast zwar kein Leben aus dem Koffer, aber schon einen besonderen Lebensrhythmus. Wie schaffst du es Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, wenn man bedenkt, dass du dann zur Arbeit gehst, wenn die anderen zumeist frei haben?

Früher als Jugendlicher war es schon schwierig. Man konnte nicht einfach am Samstagabend ewig lange mit den anderen weggehen. Naja konnte man schon, aber das war dann hart. Und zum Thema Familie: man muss einfach die richtige Frau finden. Ich habe die ideale Frau gefunden und wir stimmen unseren Lebensrhythmus optimal aufeinander ab. Ich bin zwar nicht zum Sonntagsfrühstück da, aber dafür habe ich andere Vorteile und Freiheiten, zum Beispiel unter der Woche, die andere nicht haben.

Jetzt bist du ja mit Merings Kirche und seiner Orgel schon durch einige Höhen und Tiefen gegangen. Wie hast du die Zeit des Orgelumbaus, der Kirchenrenovierung und der Wiedereröffnung erlebt?

Spannend. Ich war je wirklich überall. Saß an der Treppe, hinten, vorne. Habe einmanualig, ohne Füße, gespielt. Durfte sämtliche kirchenmusikalische Literatur durchforsten, um mit Harmonium oder Manualit zu spielen. Meine größte Sorge war, dass ich das Orgelspielen verlerne. Mir hat die Orgel wirklich gefehlt! Auch wenn die drei Jahre doch schnell vorbeigingen. Außerdem hat man als Organist noch eine Zweitorgel in petto, meinen Zufluchtsort, an dem ich dann nebenbei geübt habe- aber der bleibt geheim.

Was war denn die schlimmste und schönste Erfahrung in deiner Zeit in Mering?

Das Schönste kann ich gar nicht sagen, weil jeder Gottesdienst, jede Probe, jede Messe schöne Momente haben. Aber das Schlimmste weiß ich noch ganz genau: Das war bei einem Konzert, als die Beleuchtung auf der Empore noch nicht gut war. Da haben wir mit zusätzlichen Flutlichtstrahlern gearbeitet. Und plötzlich hatten wir Stromausfall bei einem Lied, das mir persönlich sehr viel bedeutet, weil die Lampen so viel Strom zogen. Danach musste ich ganz schön viel einstecken. Vor allem von Kollegen, die sind oft nicht so nett. Da erfährt man über drei Ecken das Gerede.

Die Zeiten schlechter Beleuchtung und eingeschränkten Klangs sind ja Gott sei Dank vorbei und jetzt nach der Sanierung kannst du dich hoffentlich wieder ganz auf deine Arbeit als Kirchenmusiker freuen. Wie lautet dein Fazit?

Die Baustelle Orgel hat sehr lange gedauert. Erst bis wir das neue Instrument genießen konnten und nun die Renovierung. Kirchenmusik ist immer ein Dreiergespann aus Organist, Chef und Kirchenchor. Das gemeinsame Arbeiten ist ein langer Prozess. Nun haben wir ein tolles charaktervolles Instrument, auf dem ich sehr gerne spiele.

Ein schönes Kompliment an deinen Arbeitsplatz. Zum Abschluss würde uns noch interessieren, was man in Zukunft so alles von dir sehen oder besser hören wird?

Aktuell ist vieles am Entstehen: Wir planen einiges mit dem Kirchenchor, was dann auch hier im Michel zu lesen sein wird. Zudem komponiere ich sehr gern und gebe ja auch noch nebenbei Unterricht für Klavier und Orgel. Leider habe ich meistens ein Zeitproblem, weshalb ich gar nicht alles umsetzen kann, was ich gerne würde - frei nach den Griechen „Die Kunst ist lang, das Leben kurz“.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg.

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