Ein fast vergessener Meringer Pfarrer: Maximilian Grass

Von Maria Kretschmer

Der Priestertafel an der Südseite unserer Pfarrkirche nach müsste Mering von 1766 bis 1774, also acht Jahre lang, ohne Pfarrer gewesen sein. Durch einen kleinen Zettel im Karteikasten des Diözesanarchivs kam ich auf die Lösung dieses Problems. Darauf stand: Prozess Franck - Grass 1767.


Man brachte mir eine dicke Mappe mit den Prozessakten: Pfarrer Grass gegen Kaplan Franck 1767. Gleich im ersten Schreiben von Pfarrer Grass an das “Hochwuerdigste General Vicariat in Augsburg” vom 23. Oktober 1767 ist zu lesen:

“(…) Nachdem ich vor ohngefähr anderthalb Jahren von Euer Hochfiirstl. Durchlaucht die höchste Gnad erhalten als Pfarrer zu Mering gnädigst ernannt und aufgestellt zu werden (...)”.

Es folgt eine umfangreiche Beschwerde über seinen Kooperator Ignaz Franck, der ohne Abschied verschwunden sei, die Tabernakelschlüssel der ihm anvertrauten Filialkirche van Ried mitgenommen habe und auch vorher einen beklagenswerten Lebenswandel führte, sodass schon zwei Dienstmägde entlassen werden mussten.
Zur Verteidigung folgt die Beschwerde des Kaplans:

,,....wasmaßen mein Pfarrer Ma. Graß seit de 5 Viertl Jahre /:als solang er sich auf der Pfarrey befindet:/ nicht nur allein mir, sondern auch meinen anderen NebenCaplänen solche Grobheiten erwießen, und zugezohen, die auch der verächtlichste BauernKerl von dem gröbsten Bauern nicht zu gewärten haben, vielwenger erdulden können, wodurch er nichts anderes gesuchet, als mich von meiner Cooperatur zu vertreiben …
Da ich aber verstrichenen Samstag von hier nachher Mering, sohin nacher Hauß in Pfarrhof gehen wollte, und den Pfarrer gleich einem Rassenden schon von weiten wider mich wüthen hörte: als habe mich nicht mehr hingetraut, sondern mein Quartier in einem Bauernhaus … nehmen miissen.”

Es folgen mehrere Blätter mit Protokollen, Zeugenaussagen von Freunden des Pfarrers, aber auch von Bekannten des Kaplans. Auf den Vorgänger von Pfarrer Grass, dem nun Hochdorfer Pfarrer Kollmann, beruft sich der Kaplan:

,,... Da also ersagter Hochw. Pfarrer Kohlmann ein Priester ist, welcher nicht nur wegen seinem besonderen Seeleneifer; sondern auch wegen untadlhaften Lebenswandel allenthalben bekannt und beriihmt ist, und dießer in Zeit 5 Jahren mein Auffiihren gewiß auf das genaueste erkundiget hat. …”

Das gut ausgefallene Leumundszeugnis von Pfarrer Kollmann liegt ebenfalls vor. Dieser empört darin sich über die Verleumdung des Kaplans.

(NB: Wer die Hiasl-Ausstellung in Mergenthau schon besucht hat, konnte das Konterfei dieses Pfarrers sehen. Sein untadelhafter Lebenswandel wurde demnach nicht davon beeinträchtigt, dass er in den Waldungen des Hofhegnenberger Barons samt seinem Kaplan zum Wildern ging. Nachts musste der Mesner das erlegte Wild mit dem Schubkarren in den Pfarrhof fahren. Pfarrer Kollmann machte übrigens trotz der Anklage wegen Wilderei in München Karriere als Concommissar für die bayr. Lateinschulen und Schulreformator unter dem aufgeklärten Kurfürsten Max III. Joseph. Sein Hochdorfer Kaplan kam als Wallfahrtspfarrer nach Maria Kappel. An ihn erinnert eine Grabstelle rechts vom Eingang der Wallfahrtskirche.)

Leider ließ sich im Diözesanarchiv nicht nachforschen, was aus dem “bösen” Kaplan Franck geworden ist. Die dreißig Jahre, die Maximilian Grass Pfarrer in Mering war, scheinen ihn grundlegend und sehr zu seinem Vorteil verändert zu haben. Denn sein Nachruf im Matrikelbuch strotzt “var Lobeshymnen”. Er starb am 7. März 1797 .

 

Weitere Artikel

Bischof Zdarsa besucht St. Michael

Zum diesjährigen Patrozinium am 27. September besuchte unser Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa unsere Pfarrei und feierte einen Festgottesdienst zum Abschluss der Bauarbeiten rund um St. Michael. Zahlreiche Fahnenabordnungen der Meringer Vereine und eine nicht enden wollende Schar an Ministranten zogen bei strahlendem Sonnenschein unter Begleitung der Kolpingkapelle um die Kirche.

Wir beten an – Sie auch?!

Seit November ist nun unsere neue Anbetungskapelle im ehemaligen Mesnerhaus geöffnet. Täglich besteht hier von morgens 8.00 Uhr bis abends 19.00 Uhr die Möglichkeit, das Altarsakrament anzubeten und damit seine eigenen Sorgen und Sehnsüchte, Ansinnen und Hoffnungen und auch diejenigen aller Menschen unserer Pfarrgemeinde stellvertretend für diese dem im Sakrament gegenwärtigen Herrn anzuvertrauen.

Silbernes Priesterjubiläum von Prof. Dr. Thomas Schwartz

Unser Pfarrer Prof. Dr. Thomas Schwartz wurde vor 25 Jahren in der Jesuitenkirche S. Ignazio in Rom zum Priester geweiht. Aus diesem Anlass feierte unsere Pfarrgemeinde ein Wochenende lang mit dem Jubilar.

Festgottesdienst mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa zum Michaelifest

In einem Bistum wie Augsburg kommt es auch in so großen Pfarreien wie der unseren in Mering nicht häufig vor, dass der Diözesanbischof zur Feier eines Gottesdienstes kommt. Umso mehr freuen wir uns, dass Bischof Dr. Konrad Zdarsa uns aus Anlass des Patroziniums die Ehre seines Besuches gibt.

KONTAKT

Katholisches Pfarramt
St. Michael Mering

Herzog-Wilhelm-Straße 5
86415 Mering

Telefon +49 (0)8233-74250
pfarramt@mitten-in-mering.de

Öffnungszeiten:
Montag: 9 - 12 Uhr
Dienstag: 9 - 12 Uhr und 14 - 16 Uhr
Donnerstag: 9 - 12 Uhr und 14 - 18 Uhr
Freitag: 9 - 12 Uhr

SPENDENKONTEN

St. Michael Mering:
Raiba Kissing-Mering
IBAN DE08 7206 9155 0000 1264 11
BIC GENODEF1MRI

St. Johannes Meringerzell:
Raiba Kissing-Mering
IBAN DE35 7206 9155 0000 1076 89
BIC GENODEF1MRI

Mariä-Himmelfahrt St.Afra:
Stadtsparkasse Augsburg
IBAN DE64 7205 0000 0000 3602 63
BIC AUGSDE77XXX